Der Klimawandel ruft die Industrieländer der Erde dazu auf, die Emission von Treibhausgasen drastisch zu reduzieren. Das Niedrigenergiehaus bietet die Möglichkeit, sich den Anforderungen an eine umweltschonende Energieversorgung zu stellen. Bei der Weltklimakonferenz von 1997 im japanischen Kyoto verpflichteten sich zahlreiche Länder zu einer verbesserten Klimapolitik. Die gesetzlichen Regelungen, die in 2005 in Kraft traten, wurden bis zum Jahr 2011 in 191 Ländern ratifiziert. Das Konzept für das Niedrigenergiehaus ist allerdings nicht einheitlich standardisiert. Die USA und Kanada lehnten die Umsetzung der völkerrechtlichen Regelungen als Konsequenz aus dem Kyoto-Abkommen vollständig ab. In Deutschland ist die Energieeinsparverordnung, die EnEV, für die Einhaltung energietechnischer Standards beim Hausbau oder der Haussanierung relevant. Die Bauweise für das Niedrigenergiehaus ist zwar in Deutschland rechtlich nicht komplett vorgeschrieben, bestimmte Rahmenwerte für den Energieverbrauch und die Durchführung der Baumaßnahmen sind jedoch bindend. Die EnEV wurde zuletzt in 2009 aktualisiert und sieht weitreichende Änderungen vor, die zum Teil erst für Baugenehmigungen ab 2016 maßgeblich sind. Wir von bauplanet24.de haben ein paar Maßnahmen für das Niedrigenergiehaus zusammengefasst.

Bautechnische Maßgaben – ein Niedrigenergiehaus bauen

Die Bauweise für das Niedrigenergiehaus erfordert eine hohe Dämmung und nutzt passive und solare Energiegewinne. Das bedeutet insbesondere:

  •  Eine hochwirksame Wärmedämmung umfasst das gesamte Niedrigenergiehaus.
  •  Das Niedrigenergiehaus wird von einer luftdichten Hülle umschlossen.
  • Eine kompakte Bauweise vermeidet Energieverluste, die durch herausragende Gebäudeteile entstehen und technisch nicht notwendig sind.
  •  Auch andere Baumaßnahmen an einem Niedrigenergiehaus, welche die Oberfläche vergrößern, aber nicht zum Energiesparkonzept des Hauses beitragen, entfallen.
  • Wärmebrücken bei einem Niedrigenergiehaus, die zu einem Energieverlust an den Außenbereich führen würden, sind durch geeignete bautechnische Maßnahmen zu umgehen.
  • Eine kontrollierte Lüftungsanlage sorgt für eine bedarfsgerechte Belüftung und die Wärmerückgewinnung in einem Niedrigenergiehaus.
  • Passiv-solare Gewinne werden durch die optimale Ausrichtung von Fenstern und die Berücksichtigung der Sonneneinstrahlung realisiert. Moderne Solartechnik und Photovoltaik eignen sich zur zusätzlichen Gewinnung von Energie.
  • Eine hocheffiziente Heizungsanlage nach dem aktuellsten Standard kommt für die Wärmeversorgung auf.

Das Niedrigenergiehaus im Vergleich – messbare Ergebnisse

In Deutschland wird das Niedrigenergiehaus schon seit den 1990er Jahren erfolgreich in der Baukonzeption umgesetzt. Der Verbrauch an Heizöl lässt sich hier durch geeignete Maßnahmen auf zwei bis sieben Liter Heizöl pro Quadratmeter im Jahr reduzieren. Noch energieeffizienter als das Niedrigenergiehaus ist jedoch inzwischen das modernere Passivhaus. Durch die Ausnutzung aller Energievorteile kommt dieses bereits mit einem Heizölverbrauch von weniger als zwei Litern pro Quadratmeter im Jahr aus. Einer allzu ambitionierten Vorgehensweise bei der Schaffung von energieeffizientem Wohnraum wird jedoch Vorschub geleistet: Die Baukosten schnellen dabei immens in die Höhe. Einen Kompromiss bietet ein Niedrigenergiehaus, das auf den neusten Stand der Technik gebracht wird. Allerdings birgt der Vergleich von Messwerten bei der Energiebilanz häufig das Problem, dass die Gewinnung der Daten nicht einheitlich erfolgt. Langfristig sind darüber hinaus natürlich Ziele, wie die ausschließliche Nutzung von erneuerbaren Energien ohne den Ausstoß schädlicher Stoffe, erstrebenswert.

Geeignete Maßnahmen – ein Niedrigenergiehaus bauen

Niedrigenergiehaus Wärmedämmung

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Ein Niedrigenergiehaus wird zunächst durch eine hochwertige Dämmung vor Wärmeverlusten geschützt. Dies geschieht, indem Bauteile für das Niedrigenergiehaus ausgewählt werden, die nur wenig durchlässig für Wärme sind. Dabei spielt der U-Wert eine wichtige Rolle, er stellt einen Messwert dar, mit dem sich die Wärmedurchlässigkeit eines Baustoffes durch grobe Näherung schätzen lässt. Bei der genauen Auswahl der Baustoffe für den Wärmeschutz hat der Bauherr freie Hand. Einflussgebende Faktoren sind dabei etwa die entstehenden Kosten, die räumliche Umgebung und persönliche Prioritäten. Die U-Werte für geeignete Baustoffe liegen in der Regel zwischen 0,1 und 0,2 W/m²K. Der passive Wärmeschutz, den die Hauswand benötigt, kann dabei um ein Vielfaches dicker sein, als die Hauswand selbst. Bei Bauteilen, die vom Haus ins Freie führen, wie Balkone oder Eingangstreppen an einem Niedrigenergiehaus, sind zudem Wärmebrücken zu vermeiden. Wenn eine leitende Verbindung aus dem Inneren des Gebäudes zu äußeren Gebäudeteilen besteht, kommt es dort zum Wärmeverlust. Daher muss die Außenanlage so angelegt werden, dass ein Ableiten von Wärme ausgeschlossen ist. Mithilfe von Wärmebildkameras werden Wärmeverluste an Gebäuden ganz einfach sichtbar gemacht. Das Niedrigenergiehaus darf außerdem keine Lücken in der Außenhülle aufweisen, über die, durch Zugluft, Wärme verloren geht. Besonders im Bereich des Daches sollte auf eine fachgerechte Dachdämmung für das Niedrigenergiehaus geachtet werden, um Wärmeverluste zu vermeiden. Der Qualitätssicherung ist beim Bau besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn nur durch eine fachmännische Umsetzung lassen sie die geplanten Energieeinsparungen auch erzielen.

Das Niedrigenergiehaus – Wärme sinnvoll managen

Wegen der luftdichten Bauweise benötigt ein Niedrigenergiehaus eine versierte Lüftungsanlage, die im Haus für die gewünschte Frischluftzufuhr sorgt. Da es aber über die Lüftung zu Wärmeverlusten kommt, empfiehlt sich eine Belüftungsanlage, die über eine Wärmerückgewinnung verfügt. Diese wärmt die einströmende Frischluft mit der Wärme aus der parallel ausströmenden Abluft an. Die Lüftungsanlage für das Niedrigenergiehaus benötigt permanente Reinigung und Wartung, damit sich keine Bakterien oder Pilze in der feuchten Luft bilden können. Weil die Funktion der Lüftung elementar für die Bewohnbarkeit des Hauses ist, muss hierauf besondere Aufmerksamkeit gelenkt werden. Zusätzlich zu der Vermeidung von Wärmeverlusten gehört bei einem Niedrigenergiehaus auch die Gewinnung von Gratiswärme durch passiv-solare Einwirkung zum Konzept. Diese lässt sich etwa mit der Ausrichtung großer Fensterfronten nach Süden erreichen. Bei einem Niedrigenergiehaus sollten die Fensterflächen zur Südseite hin jedoch maximal 50 % der Hauswandfläche betragen. Bei Sonnenschein können die Fenster bereits mehr Wärme in das Innere des Hauses bringen, als durch den Wärmeverlust der Fenster verloren geht. Fenster, die in einem Niedrigenergiehaus nach Westen und Osten ausgerichtet sind, sollten entsprechend kleiner ausfallen, weil sie größere Wärmeverluste zu verzeichnen haben. Zudem sorgen sie im Sommer schnell für eine übermäßige Aufheizung der Räume. Nordfenster zeigen die weitaus größten Wärmeverluste und werden deshalb nur sparsam eingesetzt. Interessant für das Niedrigenergiehaus sind außerdem gedämmte Fenster mit einer Dreischeiben-Verglasung. Schließlich ist auch eine hocheffiziente Heizungsanlage für ein Niedrigenergiehaus von Bedeutung. Dabei werden vor allem Anlagenverluste vermieden, indem sich der Erzeuger der Wärme und die Verteiler der Heizungswärme innerhalb des beheizten Systems befinden. Der Wärmeerzeuger muss darüber hinaus in einem Niedrigenergiehaus über eine effiziente Brennwerttechnik verfügen. Innerhalb von Siedlungen oder Reihenhäusern kann es sinnvoll sein, Kraftwärmekopplungsanlagen oder Heizzentralen einzurichten, die ökonomischer arbeiten, als individuelle Heiztechnik. Das Niedrigenergiehaus ist in der Herstellung teurer als ein herkömmlich versorgtes Haus. Es bietet aber dafür auch, über das gesamte Jahr gesehen, mehr Wohnkomfort durch ausgeglichene Temperaturen und optimale Belüftung.